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Demokratie stirbt mit der Bequemlichkeit der Anständigen

Karl Graf von Stauffenberg besucht die FDP Neu-Ulm

Guppenbild mit Karl von Stauffenberg

Das gemeinsame Sommerfest der drei FDP-Kreisverbände Ulm,

Alb-Donau und Neu-Ulm war als fröhliche, unbeschwerte Matinee

geplant. Die aktuellen Ereignisse gaben ihm einen ernsten Auftakt.

Uwe Schwarz, Kreisvorsitzender des Alb-Donau-Kreises, eröffnete mit

einer Gedenkminute für die Opfer der Gewalttat beim CSD in Berlin.

Den Angriff nannte er einen Anschlag auf die freiheitliche Demokratie.

Danach begrüßten die Kreisvorsitzenden Henrik Hecht für Neu-Ulm,

für Ulm die Doppelspitze Katja Wörz und Leon Genelin, die Gäste im voll

besetzten Saal.

Sommerfest

Leon Genelin machte klar: Deutschland brauche wieder eine liberale

Stimme, die sich aus voller Überzeugung für die Freiheit einsetzt.

Dass die Kreisverbände gerade jetzt ein spürbares Mitgliederwachstum

verzeichnen, von Menschen, die sich aktiv einbringen wollen, sei ein

gutes Zeichen. Es zeigt, dass das Interesse am Liberalismus da ist.

Wie breit die liberale Familie aufgestellt ist, zeigte die Runde der an-

wesenden Vorfeldorganisationen. Für die Liberalen Frauen war deren

Bundesvorsitzende Anke Hillmann-Richter dabei. Sie berichtete von einer

Delegationsreise zu einer liberalen Partnerorganisation in Taiwan.

Solche internationalen Kontakte stärkten den liberalen Austausch über

Grenzen hinweg und rückten zugleich die Rolle von Frauen in der Politik

in den Blick.

Wolfgang Baumbast, stellvertretender Landesvorsitzender der Liberalen

Senioren Baden-Württemberg, rückte die Senioren in den Fokus, eine

große und oft unterschätzte Bevölkerungsgruppe. Beide warben für neue

Mitglieder. Auch die Jungen Liberalen waren zahlreich vertreten.

Den Hauptvortrag hielt Gastredner Karl Graf von Stauffenberg, Enkel

des 1944 hingerichteten Claus Schenk Graf von Stauffenberg und stell-

vertretender Landesvorsitzender der FDP Bayern.

Er stellte die Frage, ob sich Geschichte wiederholen könne, und zog

warnend Parallelen zur Weimarer Republik.

Die Vergleiche saßen. In der Weimarer Republik sorgte die Besetzung

der Kohle- und Industrieregionen für Versorgungsprobleme, heute

treiben steigende Energiepreise und der Streit um die Versorgung

die Debatte. Die damalige Weltwirtschaftskrise und Massenarbeits-

losigkeit führten zu ähnlichen Diskussionen wie heute die aktuelle

Rezession. Die Spanische Spanische Grippe fand ihren Gegenpart in

der Corona-Pandemie. Zuletzt kommt es, wie vor hundert Jahren,

vermehrt zu instabilen Mehrheiten, wachsender Polarisierung und

stetiger Radikalisierung an den Rändern.

Graf von Stauffenberg warb eindringlich für einen offenen und ent-

schlossenen Einsatz zugunsten der freiheitlichen Demokratie. Wer

die sachliche Auseinandersetzung mit Extremisten scheue, mache es

sich zu einfach. Sein Satz „Demokratie stirbt mit der Bequemlichkeit

der Anständigen“ ließ den Saal nachdenklich zurück. Politische

Entscheidungen müssten sachorientiert fallen, unabhängig davon,

welche Parteien sie im Einzelfall mittragen.

Buffet

Die anschließenden Gesprächsrunden zeigten, wie lebendig demo-

kratischer kreisübergreifender Austausch sein kann. Bürgerrechte,

Eigenverantwortung, Bürgernähe, Bildung, soziale Verantwortung

und eine bessere politische Kommunikation wurden als Grundlage

für eine erfolgreiche und wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft

miteinander diskutiert.